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Moodle-Kursdesign für mobile Nutzung – 10 Hinweise

25.11.2016 von Ingrid Dethloff (926 views)

Es ist naheliegend, dass Studierende, die über Smartphone oder Tablet auf Moodle zugreifen – oft ohne WLAN-Verbindung – einen Moodle-Kurs anders wahrnehmen als Studierende zu Hause am heimischen Rechner. Doch was gilt es zu beachten beim Konzipieren eines Moodle-Kurses, der später auch gut nutzbar sein soll auf mobilen Endgeräten?


Hilfreich ist ein Moodle-Selbstversuch über Smartphone und Tablet (in meinem Fall Android-Smartphone und iPad) und zwar von unterwegs,  z. B. in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zugute kam mir dabei der „Moodle Mobile MOOC“ des neuseeländischen Moodle-Partners HRDNZ, der sich ab 1. November 2016  für vier Wochen genau diesem Thema widmete.  Nicht alle Moodle-Funktionalitäten sind bei uns in Heidelberg relevant, da wir mit einer (aus Datenschutzgründen) eingeschränkten Konfiguration arbeiten. Ausgehend von meinem Fokus auf der offiziellen kostenlosen Moodle-App (derzeit Version 3.1.3), die wegen ihrer Vorteile für die meisten mobilen Nutzer den Ausgangspunkt darstellt, folgende Hinweise zu einem Moodle-Kursdesign für mobile Nutzung:

1. Auf Lernenden-Seite geht es nicht ausschließlich mit der offiziellen Moodle-App, sondern es ist i.d.R. eine Kombination von Moodle-App und Webbrowser des mobilen Endgerätes erforderlich.  Die Funktionalität der App ist durchaus abhängig von den Funktionen sowohl der verbundenen Moodle-Installation als auch des jeweiligen Moodle-Kurses. Die App wird vom Moodle-Headquarter zwar stetig weiterentwickelt, aber es ist nicht zu erwarten, dass alle der vielfältigen Moodle-Aktivitäten und Funktionen damit abgedeckt werden können (Funktionsübersicht und Release Notes) Nutzer erhalten somit (je nach Kursinhalten) mehr oder weniger oft den Hinweis „Sorry… we are working on supporting the XY activity – Im Browser öffnen“.

2. Kurze Lerneinheiten (Wochen- und Themenblöcke) unterstützen mobiles Lernen, weil Moodle-Zugriffe i.d.R. öfter aber für kürzere Dauer erfolgen. Bei der App ist nicht relevant, ob von Ihnen beim Kursformat „Alle Abschnitte auf einer Seite“ oder „Nur ein Abschnitt pro Seite“ gewählt wurde. Dies macht allerdings im mobilen Webbrowser einen Unterschied – probieren Sie dies in Ihrem Kurs vor dem Einschreiben durch Studierende selbst aus.

3. Man sollte sinnvolle, kurze Benennungen für die Themenblöcke in Moodle wählen, da diese in der App zur Hauptnavigation werden. Die App ist auf kleine Displays angepasst, angenehm strukturiert und macht einen sehr „aufgeräumten“ Eindruck.

4. Dateiablage: Verwenden Sie gängige Formate (PDF für Texte, JPG für Bilder, MP3 für Audio, MPEG für Videos), die auch auf mobilen Endgeräten (Android, iOS) angezeigt werden können und achten Sie dabei auf eine möglichst geringe Dateigröße. Externe freie Konvertierungstools können Ihnen helfen, im Vorfeld Ihre Dateien für Moodle vorzubereiten. Leider wird in der App die Dateigröße nicht angezeigt (im mobilen Webbrowser jedoch schon): Befinden sich mobile Lernende nicht in einem WLAN, könnten große Dateien beim Download schnell problematisch werden - nicht nur für den Datentarif der Nutzer … Nutzer können in der App per Klick auf das rechts angebotene Cloud-Symbol Dateien zur Offline-Nutzung herunterladen. Dateiformate wie PPT, Word etc.  können je nach Nutzergerät ggf. mit dortigen Apps geöffnet werden.

5. Kommunikation: In der Moodle-App funktionieren Textchat und Foren gut, solange es sich bei den Foren um einfache Settings handelt. Bei Foren sollten keine technischen Gruppen verwendet werden und sehr lange Forums-Threads werden schnell unübersichtlich.  Hingegen komplett unsichtbar via App sind (derzeit) die Kommentarfunktion und das eigene Nutzerprofil.

6. Halten Sie Textfelder (s. Arbeitsmaterial / Textfeld) in Moodle kurz, da die App sonst eventuell den Text abschneidet. Die kompletten Texte werden erst nach einem weiteren Klick angezeigt, den sich viele Lernende sicherlich sparen werden. Gut zu wissen: Eventuell werden nicht alle Textformatierungen korrekt dargestellt. Für längere Texte sollte man neue Seiten (s. Arbeitsmaterial / Textseite) erstellen.

7. Gut funktionsfähige/bedienbare Lernaktivitäten sind z. B. Abstimmung (kurze Texte für die Optionen verwenden!), Textchat, Forum, Test/Quiz.
Technische Einschränkungen gibt es bereits bei der Lernaktivität Aufgabe, weshalb sich entweder die Variante „Texteingabe online“ oder einfache Einreichungen empfehlen, die technisch von Mobilgeräten aus machbar sind
(i.d.R. durch Zugriff auf eigene Kamera oder Mikrofon, denn bzgl. Dateiupload wirken sich hier die bestehenden Unterschiede zwischen Android- und iOS-Systemen aus). Dozentenfeedback und vergebene Punkte werden in der App angezeigt, ebenso können Lösungen seitens der Lernenden ggf. nachbearbeitet werden.
Beim Glossar gilt derzeit „view only“ und auch beim Wiki sind die Bearbeiten-Möglichkeiten begrenzt. Die Datenbank-, Feedback-, Workshop-, Lektion- und Journal-Aktivität werden gar nicht unterstützt – es wird in diesen Fällen aber direkt per Link auf die Verwendung des Geräte-Webbrowsers verwiesen. Gerade die Datenbank-Aktivität könnte dann durch kompakte Layout-Templates gut mobil genutzt werden.

8. Versuchen Sie zu vermeiden, Wesentliches in die Moodle-Seitenblöcke zu stellen, da diese in der App nicht angezeigt werden. Werden Moodle-Kurse nur über die App besucht, stellt sich in diesem Fällen der Effekt ein, dass man gar nicht bemerkt, dass einem etwas fehlt. Im mobilen Webbrowser werden seitliche Blöcke zwar korrekt angezeigt, allerdings durch das „Responsive Webdesign“ ganz nach unten geschoben (wohin die meisten Nutzer dann gar nicht mehr scrollen werden).

9. Bei Videos in Moodle sind möglichst geringe Dateigrößen zu empfehlen und Videos von kurzer Dauer (wenige Minuten). Werden Videos von Ihnen verlinkt oder in die Moodle-Seite eingebettet, kann hingegen die oft ausgefeilte fremde Video-Serverstruktur genutzt werden (YouTube etc.). Je nach didaktischem Setting könnten die Videos optional sein für die Lernenden oder zumindest mit Hinweis versehen, diese Kursteile mit WLAN zu nutzen.

10. Es kann nicht schaden, sich als Dozent (möglichst) von verschiedenen mobilen Endgeräten aus mit der Nutzung der jeweils aktuellen Moodle-App vertraut zu machen und an eigenen Kursen zu testen.

Den Inhalt dieses Textes finden Sie auch auf den ELC-Webseiten, Menüpunkt Downloads (PDF-Direktlink)

Ein Kommentar zu “Moodle-Kursdesign für mobile Nutzung – 10 Hinweise”

  1. Barbara Braun sagt

    Spannend, danke!

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