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Konferenz “OER-KA” - ein Rückblick

18.07.2018 von Ingrid Dethloff (173 views)

Am 13.7.2018 fand an der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft die Konferenz “OER-KA  - Freie Bildungsmaterialien in der Hochschullehre“ statt. Die eintägige Konferenz bot einen sehr guten und kompakten Überblick über das Thema Open Educational Resources (OER) im deutschsprachigen Raum.

DAS BMBF setzte 2016 eine große OER-Förderlinie auf, parallel gab/gibt es in Deutschland Förderungen auf Bundesland-Ebene. Während die Schweiz bzgl. OER eher noch am Anfang steht, ist Österreich schon sehr weit. So stellte Martin Ebner (TU Graz) dann auch im Rahmen seiner Keynote (s.a. Folien) nicht nur die fnma (= Forum neue Medien in der Lehre Austria) „Empfehlungen für die Integration von OER an Hochschulen in Österreich“ (2016) vor, sondern erläuterte auch das fnma „Konzept OER-Zertifizierung an österreichischen Hochschulen“ (2017). Letzteres zielt auf eine OER-Zertifizierung von einerseits Hochschullehrenden und andererseits von ganzen Hochschulen/Einrichtungen ab, wobei es um die Prozesse des Erstellens und Bereitstellens von OER geht sowie geeignete Weiterbildungsmaßnahmen und hierzu der Einsatz von Open Badges vorgeschlagen wird.

Auf die österreichische Keynote folgte ein Bericht von Tim Wiegers (VCRP) über die „OER-Allianz RLP“. Rheinland-Pfalz vereint in seinen Projekten OER in den Bereichen Schule, Hochschule und Weiterbildung und fokussierte, entgegen der ursprünglichen Absicht gleich mit einem Qualifizierungsprogramm zu starten, zunächst seine OER-Aktivitäten auf dem festgestellten hohen Informations- und Sensibilisierungsbedarf. Im Rahmen der Vermittlung von Mehrwerten auf innovative Art wurden OER-Karten, CC-Buttons, Erklärvideos, ein Memory-Spiel, ein OER Orientierungscheck und ein Chatbot entwickelt und mehr als 100 Veranstaltungen durchgeführt sowie ein OER Award RLP ausgeschrieben. Im Herbst 2018 sollen nun die Qualifizierungskurse starten, 2019 soll es ein eigenes OER-Repository geben und parallel soll eine Community geschaffen werden (OER Allianz zur Nachhaltigkeit), die auch stark auf Lehrerbildung setzt.

David Eckhoff, sowie später Luca Mollenhauer, berichteten über die „Informationsstelle OER“ und nannten OER Beispiele wie OpenLearnWare (TU Darmstadt), digiLL NRW, RUVIVAL (TU Hamburg), iBRIDGE (KIT auf ZOERR). Als Ziele von OER wurden u.a. genannt „Lehrinhalte der Universität bekannter machen, Nischenfächer besser repräsentieren, Lehrmittelpools aufbauen“. Werden OER genutzt? Bei dieser Frage besteht noch Bedarf zu Austausch und weiterer Forschung. Die Aufgaben der Informationsstelle OER liegen in Information, Transfer und Vernetzung (s. hier auch die OER Worldmap Germany); die Plattform soll dabei sowohl Anfänger als auch Experten ansprechen.

Für Baden-Württemberg berichteten zunächst Martin Mandausch und Marc Riar (Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft) über Anreize, Metadaten und Qualitätssicherung für freie Bildungsmaterialien. Hinsichtlich Akzeptanz wurde OER anhand der „unified theory of acceptance and use of technology“ untersucht (Leistungserwartung, Aufwandserwartung, begünstigende Rahmenbedingungen, hedonistische Motivation, Verhaltensabsicht) und es wurde auch über die von der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft bundesweit durchgeführte Lehrenden-Umfrage (363 Personen, darunter ca. 50% Professoren) berichtet. Um OER gut auffindbar zu machen, sind gute Metadaten wichtig, die über automatisch ermittelbare Metadaten wie Dateigröße, Autor, Erstellungsdatum hinausgehen (z.B. pädagogische und technische Informationen). Auch hierzu gab es seitens der Hochschule eine Untersuchung (“Qualitätssicherungs- und Begutachtungskonzept“): In diesem Paper wurden vier übergeordnete Qualitätsdimensionen zu Pädagogik, Inhalt, Technik und Lizenz definiert, wobei Qualität durchaus auch kontextabhängig ist, wie an einem Foto der Hochschul-Mensa (Verwendung in Architektur oder Photographie?) erläutert wurde.

Nicht fehlen durfte in einer BW-Veranstaltung natürlich ein Statusbericht von Peter Rempis und Michael Menzel (Uni Tübingen) zu ZOERR, das sowohl als Repositorium als auch als Referatorium dient. ZOERR ist ein auf OER spezialisiertes Publikationssystem für alle Hochschularten und Fachgebiete aus ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland, das noch laufend an den Bedarf der Hochschulen angepasst wird (LMS-PLugins, LRMI Metadaten etc.). Veröffentlichen dürfen hier nur Hochschulangehörige (Studierende nur unter Mitwirkung eines Dozenten); Voraussetzung ist eine Shibboleth-Authentifizierung, die wiederum einzelne Hochschul-Sichten ermöglicht. Im Vordergrund steht die Dauerhaftigkeit des Dienstes und Steigerung der Sichtbarkeit von Hochschul-OER („Schaufenster der Lehre BW“) - „Bedeutsame“ OER werden, vergleichbar zu wissenschaftlichen Publikationen, in Bibliotheks-Katalogen und Verbünden nachgewiesen. Im Herbst wird eine Beteiligungskampagne starten; Hochschulbibliotheken können jederzeit mitarbeiten. Wenn Sie als Lehrende in ZOERR veröffentlichen möchten, lohnt ein Blick in die ZOERR-FAQ (u.a. mit Kurzanleitung für Autoren).

Folien zum derzeitigen Geschäftsgang im ZOERR

Eine Podiums-Diskussion rundete am Nachmittag die sehr gelungene, informative Veranstaltung ab - Herzlichen Dank an die Organisatoren der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft und alle Beteiligten!

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