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Eindrücke von der ZKI-Herbsttagung 2016

16.09.2016 von Ingrid Dethloff (669 views)

Innovation, Strategie, IT & Technik, Didaktik - all diese Aspekte waren Teil der diesjährigen ZKI-Herbsttagung in Ulm, die als “Gemeinsame ZKI-Herbsttagung und 17. DINI-Jahrestagung” unter dem Motto “Die Digitalisierung der Lehre” nicht nur die Rechenzentren als Zielgruppe hatte.
Wie können insbesondere Rechenzentren / Medienzentren mit der Vielzahl von neuen Technologien bei knappen Ressourcen umgehen? Warum will man überhaupt “Digitalisierung der Lehre” oder besser „Digitalisierung in der Lehre“? Wie stehen Dozenten und Studierende dazu? Welche Erfahrungen gibt es? All diese Fragen wurden diskutiert - in Vorträgen, mit Beispielen, oder Pausengesprächen. Natürlich gibt es kein Allheilmittel oder DIE Lösung. Insofern war der Tagungsbesuch für mich ein Baustein auf dem Weg und der Austausch mit anderen in ähnlichen Situationen extrem hilfreich. Im Folgenden einige persönliche Eindrücke von 2 Tagen Konferenz.

Prof. Wesner (kiz Ulm) stellte sehr anschaulich die Problematik dar: Gartner Hype Cycle Education mit der Frage „Wann sollte man in eine Technik einsteigen?“ bis hin zur konkreten Situation der zu gestaltendem Zusammenarbeit zwischen Projektmitarbeitern und Stammpersonal mit ihren jeweiligen Stärken vor dem Hintergrund des Spannungsfeldes Forschung und laufender Betrieb. Dabei wurden 3 Modelle vorgestellt, die sich für evolutionäre bzw. disruptive Innovationen (und verschiedene Themen) eignen.

Uwe Pirr (HU Berlin) stellte vor dem Hintergrund, dass sich die Anzahl der in den letzten 10 Jahren mit Medientechnik ausgestatteten Räume verdoppelt habe, dar, wie sie anhand ihrer „Hörsaalrichtlinie zur Medientechnikausstattung“ und der Einteilung in 5 Kategorien von Räumen jeweilige Ausstattungen definiert haben. Medienausstattung ist für die Lehrenden ein wichtiges Thema, leider sind an den Hochschulen oft diese Gruppen (und sogar die betroffenen Rechenzentren etc.) nicht ausreichend involviert bei Planung und Bau. Kommunikation ist wichtig - an der HU Berlin gibt es zur Beteiligung der Nutzer eine „AG Digitale Lehr- und Lerninfrastrukturen“ mit Studiendekanen bzw. beauftragten Mitarbeitern für Aspekte wie Strategiediskussion, Identifizierung von Themen, Bedarfsklärung, Ressourcenplanung. Die Innovationszyklen (hier auch Stichwort „Lebenszyklus Medientechnik“) werden kürzer, die Bedienung der Anlagen immer komplexer und insofern kostet das Ganze viel Geld (Technik und Personal) und erfordert Schulungen/Weiterbildung.

Dem Thema E-Klausuren wurde auf der ZKI-Tagung viel Platz im Programm eingeräumt - zu Recht, wie ich finde, denn das Thema beschäftigt viele Hochschulen und ist bei weitem noch nicht Standard-Dienstleistung einer Hochschule. Aus der Universität Wuppertal gab es einen Praxisbericht über den mehrjährigen Prozess des Aufbaus eines solchen Services: Soft- und Hardwareevaluation, Änderung der Prüfungsordnungen, Einrichten der Software LPLUS und der Prüfungsräume, Workshops zur Prüfungssoftware und E-Prüfungsdidaktik, erste Prüfungen und die Ausweitung des Angebots
Aus der Universität Freiburg gab es einen Bericht über den Stand des auf dem bwLehrpool aufbauenden bwEKlausuren-Projektes - Hier steht der Gedanke einer flexiblen Nutzung bestehender Infrastrukturen (d.h. vorhandener PC-Pools) für E-Klausuren im Vordergrund. Dozenten können dann im Vorfeld eine VM-Klausurumgebung definieren, die im gewünschten Pool per Bootvorgang zu einem definierten Zeitpunkt gestartet wird.
Die Universität Mainz verfügt über mehr als 10 Jahre Praxiserfahrung hinsichtlich E-Klausuren - Aktuell gibt es ca. 20.000 E-Klausuren-Fälle pro Semester (insgesamt wurden ca. 300.000 durchgeführt): Als Prüfungssoftware wird das LMS Ilias eingesetzt; die Archivierung als PDF findet auf einem gesonderten Windows-Server statt. Eigene Anpassungen an Ilias sollen das Prozedere und die Arbeitsteilung zwischen Rechenzentrum und Dozenten erleichtern.
Beim Themenkomplex E-Klausuren ergeben sich viele rechtliche Fragestellungen - hierzu gab es einen Vortrag von Prof. Beurskens (Universität Bonn) über „Eine pragmatische Sicht auf Rechtsprobleme“, in dem er u.a. Aspekte (incl. Ängste und Risiken) wie Täuschungen/Manipulationen, Umgang mit Stromausfällen & technischen Problemen sowie Prüfungsordnungen thematisierte.

Der Folgetag befasste sich stärker mit strategischen Fragen und Beispielen.
Aus dem ZKI AK E-Learning wurde über die Ergebnisse der letztjährigen Befragung zu E-Learning-Dienstleistungen an Hochschulen berichtet: 63 Antworten gab es bei 176 Mitgliedshochschulen (2/3 der Antwortenden waren Universitäten). Hier einige Stichworte: Die Service-Erbringung erfolgt meist zentral, dabei sind die Rechenzentren auf Platz 1. Wenn eine E-Learning-Strategie vorhanden ist (dies ist bei 46% nicht der Fall), gibt es eine größere Breite von E-Learning-Angeboten - was aber keinen Einfluss auf die Anzahl der Mitarbeiter hat. 75% gaben an, dass die Finanzierung über den Haushalt erfolge, dabei war die Bandbreite sehr groß: zwischen 5.000 und 275.000 Euro jährlich. Moodle und Ilias dominieren als Lernplattformen und werden stark und in der Breite genutzt, sind aber  noch nicht standardisiert an die CMS angebunden; darüber hinaus gibt es weitere Dienste wie Vorlesungsaufzeichnungen, Virtual Classrooms, Whiteboards etc.

Prof. Ehlers berichtete sehr anschaulich über die Digitalisierungsstrategie der DHBW - die DHBW hat als State University mit 13 Standorten den Weg gewählt, sich auf die eigenen Werte zu fokussieren und darauf aubauend die Digitalisierungsstrategie zu erstellen. Dabei gibt es die 3 Säulen E-Learning-Systeme, E-Learning Inhalte & Kurse, E-Learning Community & Governance

Das Land Baden-Württemberg startet aktuell gerade nach den Vorarbeiten und der Entwicklung eines Positionspapiers (”Fachkonzept E-Learning”) den Aufbau seines „Netzwerks Digitalisierung in der Lehre“ (s.a. Blogbeitrag vom 10.6.2016) - natürlich wurde auf der Tagung in Ulm auch über das neue Netzwerk berichtet. Der Uni-AK E-Learning hat bereits mehrfach getagt, einige Hochschulartenspezifische AKs sind noch in der Gründungsphase und zum 1.9.2016 nahm die neu geschaffene Position des “Community Managers” (angesiedelt bei der LRK in Stuttgart) die Arbeit auf.
Im Rahmen der Tagung gab es dann auch gleich wieder eine Gelegenheit, mit einigen Mitgliedern des Netzwerks Digitalisierung ins Gespräch zu kommen.

Alles in allem eine sehr interessante Tagung - an dieser Stelle vielen Dank an die Veranstalter!

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